Geschichte
Als einer der geschichtsträchtigsten Orte des Landkreises Pfaffenhofen kann Ilmmünster auf eine lange historische Tradition zurückblicken. Ilmmünster, das zeitweise besondere Bedeutung besaß, beging im Jahr 1996 sein 1250-jähriges Jubiläum mit einem reichhaltigen Festprogramm, das sich auch mit der langen Geschichte des Ortes auseinandersetzte.
Die Gründung des Klosters Ilmmünster und sein Niedergang bis zum 10. Jahrhundert
Die Feier des 1250-jährigen Bestehens des Ortes Ilmmünster im Jahr 1996 gründete sich nicht auf ein historisch exakt nachweisbares Datum, sondern auf eine übernommene Tradition, wonach die Entstehung auf das Gründungsjahr 746 zurückgeführt wird. Dieses Jahr wird jedoch von der historischen Forschung mittlerweile in Frage gestellt.
Die erste Nennung des Ortes Ilmmünster ist in einer Schenkungsurkunde des Jahres 765 nachgewiesen, wo der Mönch Egino und sein Bruder Reginolt neben anderen Besitzungen auch ein väterliches Gut in Ilmina an die Freisinger Domkirche verkaufen. Auch in den folgenden Jahren wurden von der Egino-Reginolt-Sippe, die als Stifterfamilie des Klosters Ilmmünster angenommen werden kann, Besitzungen in Ilmina verschenkt. Der genaue Standort des Klosters ist jedoch nicht mehr zu rekonstruieren. Die erste sichere Erwähnung eines Klosters in Ilmmünster selbst datiert aus der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts mit der Bezeichnung cella Ilmina.
Zuverlässige Aussagen über Größe und näheres Aussehen des Klosters können heute nicht mehr gemacht werden. Lediglich über die Art des Kirchenbaus ist nachgewiesen, daß der ursprüngliche Bau ein damals üblicher Holzbau gewesen war, jedoch relativ früh durch einen Steinbau ersetzt wurde, was damals eine Besonderheit darstellte und eine nähere Beziehung der Auftraggeber zum Kloster erkennen läßt.
Um dem Kloster zu größerem Renommee zu verhelfen, waren die Reliquien eines Heiligen von Bedeutung, um es als Stätte für Wallfahrer bedeutend werden zu lassen. Die zeitliche Festlegung der Translation der Gebeine des hl. Arsatius, dessen Name untrennbar mit Ilmmünster verbunden ist, auf das Jahr 746 basiert auf der Zugrundelegung historischer Quellen, die erst im 15. Jahrhundert verfaßt wurden. Heute wird die Translation der Reliquien des hl. Arsatius unter Heranziehung relevanter Quellen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert auf den Zeitraum der Jahre 775 bis 777 datiert.
Die Arsatiuswallfahrt scheint nicht so verbreitet gewesen zu sein, wie die Literatur bisher angenommen hat, auch Initiativen, die Arsatius-Verehrung bekannt zu machen, brachten keinen Wandel. Das Fehlen einer traditionellen Heiligenvita sowie daran anschließender Mirakelbücher (Wunderberichte) ist Indiz für eine nicht sehr ausgeprägte Wallfahrtstätigkeit.
Das Kloster scheint nur kurze Zeit eigenständig gewesen und bald in Abhängigkeit von Kloster Tegernsee geraten zu sein. Bestand das Kloster Ilmmünster nachweislich noch bis zum beginnenden 10. Jahrhundert, so muß einige Jahrzehnte später der Niedergang erfolgt sein, jedoch ging das Kloster nicht durch die Plünderungen und Verwüstungen der Ungarn im Jahre 955 zugrunde, wie in der älteren Literatur behauptet wurde.
Die Zeit des Kollegiatstifts vom 11. bis zum 15. Jahrhundert
Die Ilmmünsterer Besitzungen gingen in den folgenden Jahrzehnten an weltliche Grundherren über. Mit der nächsten urkundlichen Erwähnung Ilmmünsters, die auf die Jahre zwischen 1048 und 1068 zu datieren ist, war bereits die Umwandlung des Benediktinerklosters in ein Kollegiatstift erfolgt. Waren die Babenberger einige Zeit Besitzer des Stifts, so traten im Jahre 1077 die Wittelsbacher als Erben der Vogtei Ilmmünster auf, seit 1180, als die bayerischen Herzöge von den Wittelsbachern gestellt wurden, waren sie auch Lehensherren über das Stift.

Die um 1200 erbaute dreischiffige Basilika ist das Wahrzeichen des Ortes und zeugt von der einst großen Bedeutung Ilmmünsters (Aufnahme 1899).
Seitdem entwickelte sich eine enge Bindung des Stifts an das Geschlecht der Wittelsbacher, die ihre Notare an der herzoglichen Kanzlei mehrmals als Pröpste in Ilmmünster einsetzten. Außerdem wurde am Stift eine gute Ausbildung an der dort bestehenden Schule gepflegt, die als bekanntesten Vertreter den Stiftsscholastikus Konrad von Ilmmünster hervorbrachte. Wichtig für die Entwicklung Ilmmünsters war die Verleihung der niederen Gerichtsbarkeit im Jahre 1315, wodurch Ilmmünster eine Hofmark wurde. Der jeweilige Richter durfte alle Vergehen ahnden außer diejenigen, die den Tod nach sich zogen, dies waren Totschlag, Notzucht und Diebstahl. Die Niedergerichtsbarkeit blieb Ilmmünster bis zum Jahr 1803 erhalten, als die Hofmark aufgelöst wurde. Der Niedergang des Kollegiatstifts gegen Ende des 15. Jahrhunderts deutete sich an, als Herzog Albrecht IV. die Stadt München aufwerten wollte und er den Neubau der Frauenkirche durchführen ließ und ein Kollegiatstift einrichtete, das nun eine reiche Ausstattung erhalten sollte.
Der Herzog ordnete die Verlegung der Stifte Schliersee und Ilmmünster nach München an, um die Liebfrauenkirche angemessen einrichten zu können. Unter dem Vorwand, am Stift Ilmmünster herrsche Disziplinlosigkeit und mangelnde Erfüllung der Aufgaben im Bereich der Seelsorge, wurde das Stift aufgelöst. Der Bischof von Freising und die Chorherren von Ilmmünster protestierten gegen die Verlegung, doch blieben die Einwände ohne Erfolg. Die Überführung von Teilen der Reliquien des hl. Arsatius bedeutete für die Bevölkerung einen hohen ideellen Verlust, die Schutzfunktion des Heiligen vor Unglück schien aus dem damaligen Verständnis heraus nicht mehr gewährleistet und die Arsatius-Wallfahrt kam fast völlig zum Erliegen.
Die Hofmark Ilmmünster bis zum Jahre 1803
Die seit dem Jahre 1315 bestehende Hofmark Ilmmünster durfte als Niedergerichtsbezirk über die leichteren Vergehen urteilen, die nicht todeswürdig waren. Häufige Angelegenheiten betrafen Grenzstreitigkeiten, Überackern, Raufereien oder Beleidigungen.
Der Hofmarksrichter war zuständig für den Bereich des Zivilrechts, übernahm die Regelung von Erbschaftsangelegenheiten, Kauf und Übergabe von Höfen und durfte mit dem Offizial von den Untertanen auch Arbeitsleistungen einfordern. Auch bei der Verwaltung des Kirchenvermögens waren die jeweiligen Richter, die aus dem Ministerialenstand, dem Landadel oder dem Münchener Patriziat kamen, unmittelbar beteiligt.

Die heutige Gastwirtschaft Eckert war bis zur Auflösung der Hofmark Ilmmünster im Jahre 1803 Probstei und Sitz der Hofmarksrichter. Vor der stattlichen "Tafern v. Michael Obermeier" ist rechts das Gastwirtsehepaar Obermeier zu erkennen (Aufnahme um 1920).
Der Amtmann oder Gerichtsdiener versah das Einsammeln der Steuergelder und hatte dem Landrichter von Pfaffenhofen, der die hohe Gerichtsbarkeit innehatte, Rechenschaft abzulegen. Auch teilte er den Übertretern der geltenden Verordnungen die Strafmaße mit und hatte allgemein auf Ordnung im Bereich der Hofmark zu achten. Die Hofmark umfaßte außer Ilmmünster noch Ilmried, Riedermühle, Unterdummeltshausen, Hettenshausen und Webling.
Die Gemeinde Ilmmünster seit ihrer Gründung 1808/1818
Die bedeutenden Veränderungen, die die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit sich brachte, sorgten für umfangreiche Neuerungen im bayerischen Staat. Mit der Auflösung des alten Territorial- und Herrschaftssystems mit zahlreichen weltlichen und geistlichen Grundherren trat nun der Staat an die erste Stelle und ordnete die Verwaltung des Landes neu. Als unterste Verwaltungseinheiten entstanden nun die politischen Gemeinden, deren Bildung im Jahr 1808 und in heutiger Form 1818 erfolgte. Auch die Gemeinde Ilmmünster nahm damals ihren Ursprung und machte in den folgenden Jahrzehnten einen zunächst langsamen Wandel mit, vollzog ab Mitte des 20. Jahrhunderts mit zunehmender Modernisierung und Technisierung jedoch einen raschen Veränderungsprozeß, der dem Ort ein völlig neues Gepräge gab.
Das Schulwesen
Ilmmünster kann auf eine große Tradition als Schulstandort zurückblicken. Die Stiftsschule des Chorherrenstifts war im 12. und 13. Jahrhundert sehr bedeutend und besaß einen sehr guten Ruf. Die seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestehende Dorfschule wurde bis zum beginnenden 19. Jahrhundert vom Liebfrauenstift München als Besitzer der Hofmark Ilmmünster unterhalten. Mit dem Umbruch der Jahre nach 1800 erlebte die Dorfschule eine kurze Blütezeit, als der außerordentlich aktive Pfarrer Mitterndorfer von Ilmmünster als treibende Kraft die Schule nach oben brachte und sie bis zum Rang einer Musterschule führte. Mit zunehmendem Alter konnte er jedoch diese Arbeitsleistung nicht mehr erbringen und der mit hohen Schülerzahlen und ungenügenden Schulverhältnissen konfrontierte Lehrer war hoffnungslos überfordert.
Eine Besserung brachten erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Erbauung eines Mädchenschulhauses in Ilmmünster und die Einführung der Armen Schulschwestern, was auf Betreiben und unter finanziellem Einsatz des Kapuzinerprovinzials Franz Xaver Kapplmayr, eines gebürtigen Ilmmünsterers, möglich gemacht wurde. Einschnitte der jüngeren Schulgeschichte waren die Schulhausbauten im Jahr 1931 für die Knaben und in den Jahren 1967 bis 1969 der heutigen Grund- und Teilhauptschule.
Dorfbild und Besitzstruktur von Ilmmünster
Die Besitzverteilung in Ilmmünster wies über Jahrhunderte nur wenige große Besitzungen auf, mehrheitlich dagegen Kleinstanwesen mit nur wenig Tagwerk Grund. Herausragender Besitz am Ort war die seit Mitte des 16. Jahrhunderts nachweisbare Brauerei, die in ihrer Blütezeit mehr als 400 Tagwerk und damit fast ein Viertel des gesamten Grundes der Gemeinde Ilmmünster umfaßte, auch die Tafernwirtschaft gegenüber der Kirche war ein bis zum frühen 19. Jahrhundert prägendes Gut am Ort.

Eine schöne Dorfansicht aus dem Jahr 1914 zeigt (v.l.n.r.) die Giebelseite des Stadlmaurer-Anwesens, die alte Gastwirtschaft Fischerwirt, im Hintergrund die Taferne von Michael Obermeier (heute Eckert), das Schlosserlenz-Anwesen und ganz rechts das frühere Knabenschulhaus.
Die vielen Leerhäusler hatten mit ihrem geringen Besitz keinerlei Existenzgrundlage und versuchten, als Taglöhner bei den größeren Bauern ihr tägliches Leben zu bewältigen. Einige betrieben auch in kleinem Rahmen ein Handwerk, um sich und ihrer Familie den Lebensunterhalt zu sichern. In Ilmmünster sind am beginnenden 19. Jahrhundert mehr als 30 Handwerks- und Gewerbetreibende nachgewiesen. Diese Besitzstruktur bestand im wesentlichen schon seit dem ausgehenden Mittelalter und hielt sich bis nach dem 2. Weltkrieg.
Die Zahl der Anwesen nahm vom Jahr 1500 bis 1900 nur unwesentlich zu, erst der Bevölkerungszuwachs durch die Folgen des 2. Weltkrieges sorgte für einen großen Umbruch sowohl in der Besiedelung des Ortes mit raschem Wachstum als auch in Berufsbild und Berufsstruktur.

Ein für den Baustil der Gegend typisches Anwesen war das"Hail"-Anwesen am Ilmweg, das in der früher verbreiteten niedrigen Bauweise ausgeführt war (Aufnahme 1968).
Bis in die 50-er Jahre hinein prägten die noch stark dominierende Landwirtschaft und das alte Handwerk den Ort. Seitdem trat dieses traditionelle Bild immer mehr zurück und neue Berufsbilder im Industrie- und Dienstleistungssektor bildeten zunehmend die Lebensgrundlage der Bevölkerung.
Auffallend ist der durch Modernisierung und Technisierung verursachte schnelle Wandel, der in vielen Lebensbereichen der Bevölkerung insbesondere in den letzten 50 Jahren erfolgte und jahrhundertelang gewachsene und erhalten gebliebene Strukturen aufbrach und ablöste.
Andreas Sauer
Kontakt
Verwaltungsgemeinschaft Ilmmünster
Freisinger Straße 3
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Telefax: 08441 8073-29
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